Karin Kricsfalussy Ein Jahr voller Wuner 2
  • Gespostet am 28. Januar 2020

Ein Jahr voller Wunder

Ein Jahr voller Wunder

„Musik kennt keine Hürden. Musik ist Universalsprache. Musik ist für uns alle.“

So steht es im Klappentext des Buches „Ein Jahr voller Wunder“ von Clemency Burton-Hill. Burton-Hill, preisgekrönte Violinistin und BBC-Radiomoderatorin, ist davon überzeugt und ich finde, da hat sie Recht!

Dieses Buch ist wahrhaftig eine Wundertüte, denn es beinhaltet 365 kurze Texte zu klassischen Musikstücken aus allen Epochen. Auf der kalendarischen Reise durch das Jahr wechseln sich die ganz Großen wie Beethoven, Brahms und Mozart mit weniger bekannten Komponisten ab. Ein Bogen über tausend Jahre Musikgeschichte wird gespannt, abwechslungsreich und spannend. Es finden sich sakrale Chorgesänge aus dem Mittelalter, traditionelle Volksweisen und zeitgenössische Musik.

Jeweils auf einer Seite berichtet die Autorin über ein Musikstück und seinem Komponisten oder seiner Komponistin. Die Texte sind gut zu lesen, ansprechend und informativ. Wer womöglich Angst vor „Musiklatein“ hat, kann beruhigt sein: Clemency Burton-Hill verzichtet fast gänzlich auf Fachbegriffe. Es geht ihr darum, klassische Musik jedermann zugänglich zu machen, egal, wie viel man davon versteht.

Dem Zeitgeist entsprechend kann man zum Buch eine Playlist herunterladen. Was entsteht, ist ein perfekter Hör- und Lesegenuss und eine Einladung zum täglichen Innehalten und Auskosten.

Schön ist, dass es sich bei diesem ganz besonderen Buch um einen immerwährenden Musikkalender handelt. An jedem Tag des Jahres kann der Leser und Hörer in die Welt der Klassik eintauchen, kann staunen und lernen.

Mich begleitet „Ein Jahr voller Wunder“ seit einigen Wochen. Ich kriege nicht genug davon und wandere von Musikstück zu Musikstück. Ich mache mir einen Spaß daraus, für mich wichtige Termin herauszusuchen, z.B. meinen Hochzeitstag oder die Geburtstage meiner Kinder und höre und lese, welches Musikstück Burton-Hill für diesen Tag ausgewählt hat. Ich kann wirklich behaupten, dass ich meiner Zeit voraus bin, angetrieben von der Freude an den Texten und der Musik. Nicht zuletzt sind es die charmanten Anekdoten rund um die Musikstücke und deren Verfasser, die die Lektüre so leicht daherkommen lassen.

Burton-Hill macht die ganz Großen ganz nahbar. Das gefällt mir! Nehmen wir zum Beispiel den wunderbaren Komponisten Erik Satie. Wussten Sie, dass er voller Widersprüche war?

„Draußen war er immer elegant in Samt und Seide gekleidet, doch zu Hause versank er im Chaos. […] In dem Chaos fanden sie unter anderem: zwei aufeinandergestellte Klaviere, sieben Samtanzüge, zahlreiche Regenschirme, einen Tisch und einen Stuhl – und stapelweise Liebesbriefe an seine Muse, Geliebte und Nachbarin, Suzanne Valadon – die er jedoch nie abgeschickt hatte.“

Wie ich solche Geschichten liebe! Ich muss zugeben, dass sie mir besser im Kopf bleiben als alle Daten und Fakten.

Mit „Ein Jahr voller Wunder“ mache ich jeden Tag eine Pause. Mittlerweile ist diese Pause – zehn bis fünfzehn Minuten – zum Ritual geworden, liebgewonnen und wichtig. Sie tut mir gut.

Kurz und knapp:

In „Ein Jahr voller Wunder“ präsentiert Clemency Burton-Hill 365 klassische Musikstücke aus tausend Jahren Musikgeschichte. Die dazugehörige Playlist lässt sich problemlos im Internet herunterladen (https://www.diogenes.ch/microsites/einjahrvollerwunder.html). Es entsteht ein perfekter Lese- und Hörgenuss – eine kleine Auszeit für jeden Tag.

Mal ehrlich: Können wir nicht alle hin und wieder eine Unterbrechung in der Hektik des Alltags brauchen? Clemency Burton-Hill lädt dazu ein. Ich rate dringend dazu, diese Einladung anzunehmen.

Buchinformation

Clemency Burton-Hill, „Ein Jahr voller Wunder“

Diogenes Verlag, Zürich 2019

ISBN 978 3 257 07089 7

 

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