Gedichte

Kunstdepression

Reich war ich nie, doch durchaus anerkannt.
So dachte ich, bis noch vor Kurzem.
Bin für das System nicht relevant.
Sagen solche, die in weiche Kissen furzen.

Das Gefühl

Irgendwo war es ihr abhandengekommen.
Sie hatte es verloren im Getriebe der Zeit.

Als sie es bemerkte, suchte sie es.
Dekorierte, backte Plätzchen,
entzündete Hunderte von Kerzen.
Vergebens, es ließ sich nicht blicken.
Sie hatte es verloren im Getriebe der Zeit.

Fand sich wieder, in diesem Laden.
trat beherzt in das Hell,
heraus aus dem Getümmel der Straße.
Leute drängten, schoben, beladen mit Tüten,
an Schaufenstern vorbei, durch kalte Abendluft.

Ihre Taschen waren gefüllt.
Sie hatte alles erledigt, alles erstanden,
war müde, wollte nach Haus.

Ein Blick durch den Laden,
Kleider, Bücher, Spielzeug, Kugeln, Lichterwerk.
Dies und das.

Der Ohrensessel in der Ecke flüsterte:
Setz Dich, ruh dich aus.
Setz Dich.
Der Laden war fast leer.
Verkäuferinnen freundlich nickend,
Engelsgesichter aus dem Off.

Da sank sie nieder in weiche Kissen,
schloss die Augen für den Moment.
Es roch nach Tannengrün, Orange, ein wenig Zimt,
Musik schlängelte sich leise in ihr Ohr.

Beinah hätte sie den Schrei getan,
verwundert, fast erschrocken, übermannt.

Mitten drin in ihrem Bauch,
kribbelnd, schmeichelnd, wohlbekannt,
Gefühl aus Kindertagen,
es hatte sie gefunden im Getriebe der Zeit.

Findelgefühl

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Du genau vor mir lagst. Du warst so klein. Ich hoffe, ich bin nicht schon zu sehr auf Dir herumgetrampelt. Und als ich über dich stolperte, warst Du auch erst einmal nur ein Hindernis. Doch Du bliebst und wurdest größer, bis ich Dich annahm …

Sommerliebe

Jedes Jahr nehme ich mir vor,

Dich im Mai schon in Ketten zu legen.

Denn ist es August, dann ist es zu spät,

traurig,

wieder ein Sommer, der einfach vergeht,

und wer weiß, wie viele es davon noch gibt.

Blödmann

Er

ist da,

endlich wieder da,

sie sieht ihn hereinkommen,

Herz klopft bis zum Hals,

Hoffnung fließt ganz durch und durch,

hingehen, Hallo sagen, sie zögert den Moment,

er schaut nach dem Kellner, nicht nach ihr,

nutz die Chance, sag ihm, dass du ihn liebst,

Hundewetter

Der Winter ist nicht des Hundes Jahreszeit,
es ist kalt und es regnet hin und wieder.
Da tut der Hund sich selber leid,
denn der arme Kerl setzt sich mit nacktem Po
auf das feuchte Gras hernieder.

Die Liebe wünscht sich ein Haus

Die Liebe wünscht sich ein Haus.

Das Fundament fest und gerade,

gegossen aus Innigkeit und Vertrauen.

Die Wände gemauert Stein auf Stein,

Nähe und Zuversicht binden sie,

kein Sturm bringt sie zum Beben.

Karin Kricsfalussy

textfan.de ist ein persönlicher Blog mit Buchrezensionen und selbstverfassten Texten. Alle Texte geben die private Meinung des jeweiligen Verfassers wieder.

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